Freitag, 31. Januar 2014

Italiens Kollaps beim Öl und Gasverbrauch oder auf der anderen Seite des Peaks


Die andere Seite des Peaks: Italiens Kollaps des Öl- und Gasverbrauchs


Ölverbrauch Italien
Italiens Peak Oil ist angekommen: Aus dem Blickwinkel des Ölkonsums sind wir zurück in 1967. Alle Daten in diesem Artikel stammen aus dem BP statistical review bis 2012, sowie aus verschiedenen Quellen für die 2013er Zahlen
Manchmal sieht Peak Oil wie ein intellektuelles Spiel aus, das Menschen weiterspielen indem sie debattieren, ob er erreicht wurde oder nicht. Doch der Punkt mit dem Öl ist nicht, wieviel davon irgendwo gefördert wurde, sondern wieviel man sich leisten kann, um es zu benutzen. Zumindest für Italien ist das Maximum des Ölverbrauchs bereits eingetreten, wie man in obiger Darstellung sehen kann. Es ist eindrucksvoll: Der Verbrauch ging um mehr als 30% binnen 10 Jahren zurück. Heute sind wir wieder beim Niveau von 1967. In 1967 war die italienische Bevölkerung 50 Millionen Menschen groß, gut 10 Millionen weniger als heute. Wir haben die andere Seite des Peaks tatsächlich erreicht und wir sehen kein Ende des Abstiegs.
Warum das? Ganz einfach: Die Verringerung des Ölverbrauchs ist direkt verbunden mit den Ölpreisen, wie man hier sehen kann:
Italien: Ölpreis und Ölverbrauch
Wenn man den Ölkonsum gegen die Ölpreise abtragen will, hier ist das Ergebnis:
Italien: Ölkonsum vs. Ölpreis
Kurz gesagt, die italienische Wirtschaft kann es sich leisten seinen Ölverbrauch zu steigern, wenn Öl weniger als 20 US$ pro Barrel kostet (in heutigen Ölpreisen), der Verbrauch ist stabil bis zu Ölpreisen von 40 US$ und er kollabiert bei Ölpreisen über 40 US$.
Ich bin sicher, dass du dich jetzt fragst, wie das Leben in Italien ist, wenn ein Drittel des Ölverbrauchs verschwunden sind. Du erwartest leere Straßen, verlassene Städte und eine allgemeine Nach-dem-Holocaust-Atmosphäre. Nun, nein, das ist nicht der Fall. Ich kann dir sagen, dass es schwer ist, größere Veränderungen im italienischen Alltagsleben zu sehen. Insbesondere während der Rush-Hour sind die Straßen weiterhin vollgeklemmt mit Autos. Bei allem was ich höre von Freunden und Bekannten ist die Situation dieselbe in allen größeren Städten Italiens.
Aber daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, es gäbe keine Probleme in Italien, bedeutet denselben Fehler zu machen, den unserer früherer Premierminister vor einigen Jahren machte, als er sagte Italien habe keine ökonomischen Probleme, denn "die Restaurants sind voll". Restaurants sind nicht die Wirtschaft und die städtischen Straßen in der Rush-Hour sind nicht das Transportsystem des Landes. Es gibt keinen Zweifel, dass das Transportsystem Probleme hat, wenn wir dies an den gefahrenen Kilometern festmachen. Hier sind die Daten (mit freundlicher Hilfe von Massimo de Carlo von MondoElettrico/Die Elektrische Welt). Die blaue Kurve zeigt die leichten Kraftfahrzeuge, hauptsächlich PKWs, die violette Kurve zeigt Trucks und die rote Kurve zeigt alle gemeinsam. Die Daten stammen von AISCAT, Stand 2012:
Italien: Transportleistung
Wir sehen, dass das Transportsystem - mehr oder weniger - zurechtkam mit dem reduzierten Treibstoffzufluss bis etwa 2008-2010. Der Peak der gefahrenen Kilometer kam später als der Peak des Ölverbrauchs und der Rückgang ist weniger stark: 10% weniger für Autos und 15% weniger für Nutzfahrzeuge. Deshalb macht es Sinn, dass der Verlust an Verkehr in den Städten nicht deutlich spürbar ist, insbesondere während der Rush-Hour. Die Leute haben wahrscheinlich ihre nicht zwingend notwendigen Reisen gestrichen und es sieht so aus, dass sie weiterhin in der Lage sind, ihre Autos für den alltäglichen Transport zu benutzen. Zu großen Teilen können sie das tun, indem sie ihre Autos mit Erdgas oder Flüssiggas als Treibstoff betanken. In Teilen auch dadurch, dass sie zu effizienteren Autos wechseln, wenngleich die Zahlen kleiner und Hybrid-Autos in Italien von den SUV-Zahlen gewaltig überschritten werden.
Es sieht so als, als wäre der Hauptfaktor, dem Ölrückgang bis zu einem gewissen Punkt entgegenzutreten, in einer Ausweitung des Erdgasverbrauchs bestünde. Das war immer ein historischer Trend, nicht nur für Treibstoffe sondern viel unterschiedlichste Anwendungen. Du kannst diese Geschichte in folgender Darstellung sehen:
Italien: Ölverbrauch + Gasverbrauch
Etwa 2006 erreichte auch der Gasverbrauch seinen Höhepunkt und führte zu "Peak Kohlenwasserstoffe" in Italien. Danach ging der Verbrauch rapide zurück, viel schneller als das vorangegangene Wachstum. Es ist ein Verhalten, das ich den "Seneca Kollaps" genannt habe (nach Lucius Anneaus Seneca; Anmerkung des Übersetzers). Italien kommt die zweifelhafte Ehre zuteil, die erste westliche Volkswirtschaft zu sein, die diese Art von Kollaps in modernen Zeiten erfährt.
Was jetzt passieren wird, auf dieser Seite des Peaks? Schwer zu sagen, aber wenn der Seneca-Kollaps fortschreitet ist es unwahrscheinlich, dass wir in den kommenden Jahren Stau in der Rush-Hour sehen werden (und Restaurants voller Menschen).

Autor: Ugo Bardi
(Anmerkung: Für Thüringen ist diese Entwicklung deshalb interessant, weil Italien auf Platz 3 der Thüringer Exportziele ist.)
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